Am 15. Januar in March/Regen sowie am 3. Februar in Arnbruck veranstaltete GEGENWIND Bayerischer Wald zwei Events zum Thema Windkraft im Bayerischen Wald. Ziel der Veranstaltungen war es, aktuelle politische Planungen einzuordnen und die Bevölkerung über technische, ökologische und sozialkritische Zusammenhänge zu informieren. Die Events fanden großen Zuspruch und waren sowohl in March als auch in Arnbruck „ausverkauft“.
Beide Veranstaltungen wurden von Josef Erhard (Förster a. D.) eröffnet. Unter dem Leitsatz „Heimat ist nicht erneuerbar“ stellte er zunächst die Entwicklung der vergangenen Jahre dar.
Er erinnerte an den Bürgerentscheid von 2015 zum Wagensonnriegel, bei dem sich über 75 Prozent der Bürger gegen Windkraftanlagen ausgesprochen hatten. Dieses Ergebnis habe der Region für rund zehn Jahre Ruhe verschafft. Erhard dachte, dass damit das Thema vom Tisch sei.
Mit der Neufassung des Energieplans seien 120 Windvorranggebiete ausgewiesen worden. Die Entscheidung darüber sei im Juli 2025 im Planungsausschuss der Region Donau-Wald gefallen, in dem die Landräte der Landkreise Straubing-Bogen, Regen, Deggendorf, Freyung-Grafenau und Passau sowie elf Bürgermeister als Vertreter der 51 Gemeinden saßen. Es habe keine Information und keine öffentliche Diskussion stattgefunden. Viele Bürger hätten erst sehr spät von dem Vorhaben erfahren, zum Teil erst kurz vor Ablauf der Stellungnahmefrist im Oktober 2025. Dass man ein solches Vorhaben am Bürger vorbeizuplanen versuchte, sei ein starkes Stück, so Erhard. Zudem erklärte Erhard, dass es die Möglichkeit eines Bürgerentscheids nicht mehr gäbe. Diese habe Hubert Aiwanger abgeschafft. An dieser Stelle hinterfragte Erhard das Demokratieverständnis unserer Politiker, wenn der Bürger nichts mehr mitzuentscheiden hätte.
Anhand einer Fotomontage des Brotjacklriegels verdeutlichte Erhard die Dimensionen der geplanten Anlagen. Der Funkturm am Brotjacklriegel misst rund 125 Meter Höhe, die geplanten Windkraftanlagen mit 250 Metern Höhe fallen doppelt so hoch aus. Er sprach in diesem Zusammenhang von „Windradmonstern“, die das Landschaftsbild nachhaltig verändern, ja zerstören würden.
Zugleich kritisierte er das große Schweigen vieler gesellschaftlicher Gruppen. Heimat- und Kulturvereine, Naturpark, Waldvereine, Verbände, Kirchen, Behörden und Medien hätten sich kaum mit den aktuellen Entwicklungen auseinandergesetzt. Diese Zurückhaltung sei unverständlich und mehr als bedenklich.
Auf einer Folie bezeichnete er die Windenergie in unserer Region als „Teilzeitenergie“, da die Anlagen einen Großteil der Zeit stillstünden. Zudem sei der Bayerische Wald ein ausgeprägtes Schwachwindgebiet, was die Versorgungssicherheit zusätzlich erschwere. Ohne kräftige Subventionen, die letztlich vom Steuerzahler finanziert würden, seien Windräder im Bayerischen Wald wirtschaftlich nicht überlebensfähig.
Ein zentraler Abschnitt seines Vortrags war die Kritik an der Vorstellung einer vollständig „grünen“ Energieversorgung. Erhard sprach von der „Lüge der grünen Energie“. Mit Wortaufhübschungen wie „Naturstrom“, „Ökostrom“ oder „sauberer Energie“ werde dem Bürger eine umweltverträgliche Energiegewinnung vorgegaukelt, die an der Realität völlig vorbeigehe.
Er verwies auf Rodungen in den Wäldern, riesige Stahlbetonfundamente mit mehreren tausend Tonnen Material, den Einsatz von Epoxidharzen, Rotorblättern aus tropischen Hölzern und seltenen Erden sowie auf mögliche Umweltbelastungen durch PFAS, Bisphenol A, Hydrauliköle und andere giftige Stoffe. Jährlicher Abrieb von bis zu 100 kg Mikroplastik belastet Böden und Grundwasser. Rotorblätter, die sich mit 300–400 km/h bewegten, seien Schredderanlagen für Insekten, Vögel und Fledermäuse. Der Ausbau von Leitungstrassen und schwerlastfähigen Zufahrtsstraßen würde zu einem unwiederbringlichen Verlust von landschaftsprägenden Waldbildern führen.
Diese Aspekte, zusammen mit den gesundheitlichen Gefahren für Mensch und Tier, würden in der öffentlichen Debatte kaum berücksichtigt.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie die Stromversorgung in Zeiten ohne Wind und Sonne sichergestellt werden könne. Anhand der Dunkelflaute im Winter 2025 zeigte er, dass es keine Versorgungssicherheit durch Windenergie gebe. An vielen Tagen im November und Dezember produzierten Wind und Solar nicht einmal ein Drittel des täglichen Strombedarfs in Deutschland.
Deutschland habe in dieser Zeit vermehrt zu überteuerten Preisen Atom- und Kohlestrom aus dem Ausland importieren müssen. Auf der Folie „Wo soll der Strom dann herkommen?“ machte er deutlich, dass es bislang keine ausreichenden Speicherlösungen gebe, um längere Ausfallzeiten erneuerbarer Energien zu überbrücken.
Neben technischen Fakten ging es vor allem um Werte. Immer wieder wurde die Frage gestellt: Wer schützt unsere Natur? Wo bleibt der Wertekompass der Politik? Warum schweigen so viele?
Im Anschluss stellte Silvia Erhard die Kommunikationsarbeit des Projektes vor. Dazu gehören die Markenauftritte „Bayerwald-Schutzverein e. V.“ und „GEGENWIND Bayerischer Wald“ mit entsprechendem Corporate Design, der Facebook-Seite und den Internetseiten bayerwald-schutzverein.de und bayerwald-gegenwind.de. Auf diesen Seiten werden Veranstaltungen, Hintergrundinformationen und aktuelle Entwicklungen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Auch die zukünftige Marketingplanung wurde erläutert. So plant GEGENWIND eine Webinar-Plattform, ausgearbeitete Formulare für Betroffene und weitere Informationsveranstaltungen. Ebenso soll ein Zertifikat designt werden, das Betrieben überreicht werden soll, die das Projekt unterstützen und sich für den Schutz und Erhalt unserer Heimat einsetzen.
Den fachlichen Schwerpunkt bildete der Vortrag von Stefan Spiegelsperger mit dem Titel „Stress im Stromnetz dank Windenergie“.
Mit eindrucksvollen Beispielen und klaren Worten zeigte er auf, welche technischen und wirtschaftlichen Probleme mit dem massiven Ausbau der Windenergie verbunden sind. Er sprach über Dunkelflauten, teure Stromimporte, fehlende Speicher und eine wachsende Belastung für das Stromnetz. Besonders die Dunkelflaute im Winter 2025, die zu extremen Strompreisen führte, machte vielen Zuhörern die Abhängigkeit von ausländischem Atom- und Kohlestrom bewusst.
Nach seiner Einschätzung stelle dies ein strukturelles Problem der Energiewende dar, das bislang nicht gelöst sei.
Spiegelsperger wies außerdem auf wirtschaftliche Risiken für Grundstückseigentümer hin. Hohe Pachtangebote könnten langfristige Folgekosten nach sich ziehen, etwa durch Rückbauverpflichtungen, mögliche Insolvenzen von Betreibern oder notwendige Bodensanierungen bei Schadstoffbelastungen.
Ein Investitionsprojekt könne sich dadurch im Extremfall zu einer finanziellen Belastung entwickeln.
In einem weiteren Abschnitt stellte Spiegelsperger die Frage, wer angesichts der aktuellen Gesetzeslage noch wirksam den Schutz von Wald und Landschaft gewährleiste. Zwar seien Waldflächen grundsätzlich geschützt, durch Sonderregelungen im Rahmen der Energiewende würden diese Schutzmechanismen jedoch zunehmend aufgeweicht.
Er kritisierte insbesondere das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie Folgegesetze wie das Wind-an-Land-Gesetz und das Windenergieflächen-Bedarfs-Gesetz als zentrale Treiber der Entwicklung.
Zum Abschluss wurden die Positionen von „GEGENWIND Bayerischer Wald“ zusammengefasst:
– einen Stopp der Windkraftplanungen im Bayerischen Wald,
– den Erhalt von Waldflächen,
– die Wiedereinführung verbindlicher Bürgerentscheide
– sowie eine Überprüfung der bestehenden Förder- und Genehmigungssysteme.
Die Abende in March/Regen und Arnbruck haben gezeigt: Der Widerstand gegen eine rücksichtlose Energiewende ist kein Randphänomen. Er kommt aus der Mitte der Gesellschaft – von Menschen, die ihre Heimat lieben und bewahren wollen.
Mit den Veranstaltungen wolle man einen sachlichen Beitrag zur öffentlichen Diskussion leisten und den Informationsaustausch in der Region weiter fördern.
„Heimatliebe ist keine Gefühlsduselei“, heißt es im Abschlusszitat von Josef Erhard.
Diese Worte spiegeln wider, was viele an diesen Abenden empfanden: Stolz auf ihre Heimat, Sorge um ihre Zukunft – und den festen Willen, nicht schweigend zuzusehen.
Die Bewegung „GEGENWIND Bayerischer Wald“ hat mit diesen beiden Veranstaltungen deutlich gemacht: Der Kampf um Natur, Lebensqualität und Mitbestimmung ist noch lange nicht vorbei. Und er wird mit Herz, Verstand und Zusammenhalt weitergeführt.
Das nächste Event zum Thema „Windräder, Infraschall, PFAS – Die unterschätzte Gefahr – Droht uns ein Asbest 2.0?“ findet am 2. März um 19:00 Uhr in Bodenmais im Glück-Auf-Saal statt. Anmeldungen unter www.gegenwind-bayerwald/events


